Liebe Genossinnen und Genossen,

liebe Freundinnen und Freunde,die zurückliegenden Sitzungswochen waren alles andere als leicht. Die Landtagswahlen waren für uns ein Schock. Dann erreichte uns noch die Nachricht, dass unser Kollege Carsten Träger im Alter von gerade einmal 52 Jahren verstorben ist.

Es muss sich etwas ändern, das sagen wir nicht zum ersten Mal, das schreibe ich nicht zum ersten Mal.

Lars Klingbeil hat am Dienstag den Weg nach vorne angetreten und bei der Bertelsmann Stiftung eine viel beachtete Rede gehalten. Ob damit der richtige Ort gewählt war, mag dahingestellt sein. Wichtig ist die Resonanz, sie ist nicht selbstverständlich. Die Rede kann hier nachgelesen werden.

Mir haben zwei Zielstellungen gefallen, die mir beim Lesen aufgefallen sind: „Ich will, dass Deutschland und Europa so stark sind, dass wir uns vor niemandem klein machen müssen.” Und: „Ausgangspunkt einer jeden Veränderung muss ökonomische Souveränität sein. Ein neues deutsches Wachstumsmodell.”

Das unterstütze ich ausdrücklich. Um Deutschland so stark zu machen, würde ich allerdings nicht nur auf Europa setzen, sondern insgesamt auf internationale Partnerschaften. Und ein neues deutsches Wachstumsmodell muss aus meiner Sicht ein nachhaltiges Modell sein, das die Umweltsünden der Vergangenheit vermeidet. Aber das wird Teil der Diskussion. Ergänzen würde ich einen dritten Punkt: Wir wissen, dass die Menschen durchaus stolz sind, in einem Land zu leben, in dem man in Krisen und Alter abgesichert ist. Unser Sozialstaat ist eine Errungenschaft. Aber er kann nicht einfach bleiben, wie er ist. Wir müssen ihn für die Zukunft aufstellen.

Zwei sehr grundlegende Dinge:

Erstens: So lobenswert es ist, dass einmal etwas im Zusammenhang dargestellt und Vorschläge präsentiert wurden: Nun findet wieder eine eifrige Diskussion über zahllose Einzelvorschläge statt, in der Öffentlichkeit, aber auch in der Koalition. Die Menschen wünschen sich aber, nach meinem Eindruck nicht erst seit gestern, dass die Regierung einen Plan hat und diesen verfolgt und kommuniziert. Wir regieren nun schon wieder fast ein Jahr zusammen, ohne dass davon etwas sichtbar wurde. Die SPD kann sich aus meiner festen Überzeugung auch nicht in der Regierung gegen die Regierung profilieren. Wir müssen als Regierung überzeugen. Gemeinsam.

In dieser Woche war Bundeskanzler Merz in der Regierungsbefragung. Er hat dort davon gesprochen, Freiheit, Frieden, Wohlstand „und auch den Sozialstaat der Bundesrepublik Deutschland in diesen schwierigen Zeiten zukunftsfähig zu halten.” Er bekannte sich zu Europa. Eine „prosperierende Volkswirtschaft zu sein, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu ermöglichen (…)”, sei die wichtigste Aufgabe der Regierung. Aus meiner Sicht kann man hier zusammenfinden.

Zweitens:

Lars Klingbeil führt weiter aus: „Mein Gefühl ist, die Menschen in unserem Land sind auch bereit, Opfer zu bringen und Veränderungen zu akzeptieren. Aber sie wollen, dass es gerecht zugeht.” Das glaube ich auch. Aber ich glaube nicht, dass die Anmutung von Gerechtigkeit die einzige Voraussetzung ist. Entscheidender ist etwas anderes: Dass klar wird, was wir erreichen wollen, wohin die Veränderung führt und was es „bringt”, wenn man sich nun noch mehr anstrengen oder auf etwas verzichten soll.

Hier fehlt es uns weiterhin an Substanz und Zielbildern, die die Menschen auch emotional erreichen. Veränderung braucht ein Ziel und der Weg dorthin muss nachvollzogen werden können. Trauen wir uns zu, zu sagen, Deutschland solle in Europa wieder die Lokomotive und nicht der Bremsklotz sein? Erreichen wir das in, sagen wir, zehn Jahren? Was genau ist dafür zu tun, wie sehen Zwischenerfolge aus, auf welche Branchen setzen wir, wie unterstützen wir Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dabei, von den alten in die neuen Jobs zu wechseln? Das sind nur einige Fragen, die wir beantworten müssen. Wenn unsere Vorstellung von der Zukunft nicht leuchtet, werden Menschen weiter anfällig bleiben für die Versprechungen der Rückwärtsgewandten.

Am Donnerstagabend habe ich noch eine Rede zum muslimischen Leben gehalten, die auch von der Presse aufgegriffen wurde. Sie kann hier auch im Nachgang angeschaut werden.

Bis Montag nehme ich noch Termine wahr, dann geht es nach Italien zur Familie väterlicherseits, wo meine älteste Tante, Santina, ihren 100. Geburtstag feiern wird. Sie kann nicht mehr laufen, aber „solange das Mundwerk noch funktioniert, ist es ok”. Sie hat, was man einen „starken Charakter” nennt. So eine Haltung hilft im Leben, und sie hilft auch unserem Land, wenn wir uns nicht unterkriegen lassen, sondern jeweils das Beste in einer Situation sehen oder daraus machen.

Schöne Feiertage wünscht

Ihr/Euer Lars Castellucci

 

Termine

  • Sonntag, 29. März, 10.30 Uhr: Gottesdienst mit Predigt, Stadtkirche, Hauptstraße 22, Neckarbischofsheim
  • Sonntag, 12. April, 10.00 Uhr: Stadtlauf Wiesloch, Stadion, Parkstraße 5/1, Wiesloch